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Do, 20. Juni 2013

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Das würde alles toppen


Bei Münchens Olympia-Bewerbung für 2018 spielten die Paralympics eine Rolle.
Gibt es nun eine erneute Kandidatur für 2022?

Deutschlands Behindertensportler sind auf den Geschmack gekommen. Die wohl beste Paralympics-Bewerbung der Geschichte ist gemeinsam mit Münchens Olympia-Kandidatur für 2018 zwar gescheitert, der Traum von Spielen im eigenen Land hat aber erst so richtig begonnen.
Und nachdem sich Bewerbungs-Chefin Katarina Witt für eine erneuten Münchner Anlauf ausgesprochen hat, sind auch die Behindertensportler für diese Idee Feuer und Flamme.

"München 2022 wäre die Krönung", sagt Alexander Spitz, vierfacher Paralympics-Sieger im Ski alpin und Botschafter der 2018er-Bewerbung: "Die Politik kann unternehmen, was sie will. Die Strahlkraft von Paralympics im eigenen Land würde für die Entwicklung des Behindertensports und der Situation von Behinderten alles toppen."

"Hätte man die Sportler gefragt", glaubt Deutschlands Behindertensportler des Jahres Gerd Schönfelder, "hätte München schon diesmal gewonnen".

Paralympics im Mittelpunkt

So stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Paralympics bei der gemeinsamen Vergabe der Spiele haben, denn in diesem Bereich war München den siegreichen Südkoreanern aus Pyeongchang klar überlegen und hatte dies auch deutlich herausgestellt.
"Die Münchner Bewerbung war von allen die, die die Paralympics am meisten in den Mittelpunkt gerückt hat. Das spiegelt eindeutig die Haltung des DOSB wider", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Craven ermutigt zur Bewerbung
Sir Philip Craven, Chef des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), muss auf die Frage, ob aus Sicht des Behindertensports nicht München hätte gewinnen müssen, schmunzeln.
"Sie werden mich nicht dazu bringen, das zu sagen", sagt Craven, der als IOC-Mitglied an der Abstimmung beteiligt war: "Aber ich würde auf jeden Fall zu einer neuen Bewerbung ermutigen."

Wertschätzung unterschiedlich
Im Internationalen Olympischen Komitee genießt der Behindertensport aber anscheinend noch nicht die Wertschätzung wie im DOSB.
"Präsident Jacques Rogge hat bei der Verkündung gesagt: 'Die Olympischen Spiele gehen an...' und nicht 'Paralympics und Olympia gehen an...'. Bach hat immer beides in einem Atemzug genannt", sagt Alexander Spitz.
Der DOSB-Präsident stellte derweil fest, dass "der paralympische Sport in Deutschland schon durch die 2018er-Bewerbung einen Schub bekommen hat. Insofern hat es sich auf jeden Fall gelohnt."

"Wir waren kein Anhängsel"
Dies sieht auch Schönfelder so. "Es war eine Super-Werbung für den gesamten Wintersport - und wir wurden im gleichen Atemzug genannt", betont er.
"Wir waren kein Anhängsel, sondern integrierter Bestandteil einer exzellenten Bewerbung", ergänzt Karl Quade, zuletzt acht Mal in Folge Deutschlands Chef de Mission bei Paralympischen Spielen.
Tischtennisspieler Rainer Schmidt - Pfarrer, Kabarettist und seit 1984 siebenmaliger Paralympics-Teilnehmer - sieht ebenfalls einen "weiteren Schritt zur Etablierung des Behindertensportes in unserer Gesellschaft".

Beucher irretiert
Dass der Zuschlag nicht an München ging, ärgert die Behindertensportler dennoch.
Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher versteht das Votum für die Koreaner heute noch nicht. Neue Märkte seien entscheidend gewesen, betont er, "dabei dachte ich bisher immer, dass es darum geht, die Stadt zu finden, die die besten Möglichkeiten zum Ausüben des Sports bietet".
Schönfelder war ebenfalls stark in die Bewerbung eingebunden.
"Hätte man zum Zeitpunkt der Bewerbung gewusst, dass die Koreaner ein drittes Mal antreten, hätte man es vielleicht gelassen", glaubt er.

Bewerbung hat Auswirkungen
Daraus sollte man nun lernen, meint der Skifahrer. Er rechnet damit, dass man sich in Deutschland die Entscheidung über eine erneute Kandidatur "diesmal bis zum Schluss offen lässt".
Ob man erneut antritt, hänge "von vielen Faktoren ab", erläutert Bach.
"Kaum ein Ausrichter der Olympischen und Paralympischen Spiele hat auf Anhieb den Zuschlag bekommen", erzählt Quade und votiert für einen erneuten Versuch 2022.

Doch auch er weiß: Wertlos war für den Behindertensport auch die gescheiterte Bewerbung nicht.