Dinslaken, 13.11.2009, Nils Balke
Voerde. Mathis Tigler hatte bei seiner Ankunft am Düsseldorfer Flughafen zwar keine Medaille im Gepäck, war aber dafür um wertvolle Erfahrungen reicher. Der 13-jährige Voerder Gymnasiast nahm an der der Sitzvolleyball-Weltmeisterschaft im Iran teil.
Die deutsche Junioren-Nationalmannschaft verlor gegen Kasachstan im Spiel um den dritten Platz 0:3. Und Mathis musste zu Hause seinen Eltern und Mitschülern Fragen über Fragen beantworten. Denn vieles von dem, was er während des einwöchigen Aufenthalts in der Stadt Maschhad erlebte, war ihm völlig neu - nicht nur in kultureller, sondern auch in kulinarischer Hinsicht. „Ein geschmackvolles Abenteuer", meint Mathis, sei inbesondere die iranische Küche gewesen. „Dort gab es meistens Lamm, Huhn oder Kebap mit Brot, aber natürlich kein Schwein. Das war für mich ungewohnt. Doch ich habe alles einfach mal ausprobiert." 
Nicht minder gewöhnungsbedürftig war in Mathis' Augen die Verkehrsregelung. Mit der Mannschaft musste er im Bus vom Hotel 20 Minuten zur Halle zurücklegen. „Der Straßenverkehr läuft dort vollkommen anders. Es gibt keinen Mittelstreifen, jeder fährt nach Gefühl und ziemlich schnell." Im Bus saß Mathis trotz der Unwägbarkeiten und des leichten Unsicherheitsgefühls aber immer gerne: „Schließlich gab es draußen viel zu gucken."
Die deutschen WM-Teilnehmer nutzten gemeinsam ihre Freizeit, um Kultur und Bauwerke kennenzulernen. Maschhad, 850 Kilometer östlich von Teheran gelegen, gilt als bedeutendes religiöses Zentrum, das jährlich von mehr als 100 000 schiitischen Pilgern besucht wird. Besonders in Erinnerung blieb Mathis die Besichtigung der heiligen Gohar-Shad-Moschee. „Das hat mir sehr gut gefallen. Die Leute waren sehr gastfreundlich und nett."
Der sportliche Höhepunkt war für Mathis das Halbfinale gegen die Gastgeber, das sogar im iranischen Fernsehen übertragen wurde. Für die Deutschen war der spätere Turniersieger noch eine Nummer zu groß. „Bei denen sitzt einfach jeder Ball", weiß Mathis. Aber bei der 0:3-Niederlage erzielte die Mannschaft von Trainer Markus Rennecke so viele Punkte gegen den Iran wie kein anderes Team. Obwohl es dann gegen Kasachstan auch nicht für Platz drei reichte, gab's ein Lob von Coach: „Der Trainer hat uns gesagt, dass er mit unserer Leistung sehr zufrieden war."
Mit seinem Team von Bayer Leverkusen bereitet sich Mathis, der aufgrund einer Krebserkrankung 2003 den linken Unterschenkel verlor, nun auf das nächste Turnier am kommenden Wochenende in Nienburg vor. Mit der Junioren-Nationalmannschaft hat der Voerder Schüler noch ein Jahr Zeit zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft. 2010 wollen Renneckes Sitzvolleyballer dann in Russland einen Platz unter den ersten Drei holen.