Para Tischtennis: Zwei Brandenburger Märchen

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icon tischtennis schwarz auf weiss 250pxDer gebürtige Brandenburger Achim Freymann startet als einziger Brandenburger in seiner Geburtsstadt bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im Para Tischtennis. Die Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam e.V. begeistert mit „hervorragenden Bedingungen und perfekter Vorbereitung“. Weitere Para Tischtennis-Meisterschaften in Brandenburg Stadt sind denkbar.

Langsam legte Achim Freymann den Tischtennisschläger und den Ball in der Satzpause auf den Tisch. Wie in Zeitlupe schlich der 24-Jährige in der Brandenburger Sporthalle „Am Marienberg“ weiter zu Stefanie Ludwig. Die Trainerin der Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam e.V. sprach nur wenige und einfach verständliche Worte. Als die Satzpause vorbei war, umarmte Freymann für einen neutralen Beobachter völlig unerwartet seine Trainerin und ging wieder an den Tisch.

Am Samstag fokussierten sich in Brandenburg an der Havel alle Augen und Ohren auf Freymann. Bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften (U25) im Para Tischtennis hielt Freymann die Brandenburger Fahnen als einziger Starter hoch. „In Brandenburg Stadt als gebürtiger Brandenburger an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können und ein Spiel zu gewinnen: Das ist einfach super“, sagte ein sichtbar glücklicher Freymann nach dem Turnier. Gleich das erste Spiel hatte er gegen Justin Finke (TSG Markkleeberg) mit 3:1 Sätzen gewinnen können. Am Ende standen 1:3 Siege und ein vierter Platz in den Geschichtsbüchern. Der Titel ging an Maximilian Kröber (PSC Berlin).

„Dabei sein ist alles“

„Für uns zählte nur der olympische Gedanke: ‚Dabei sein ist alles‘“, verriet Trainerin Ludwig. Stolz fügte sie an: „Er hat alles umgesetzt, was ich wollte.“ Für Ludwig ist diese Tatsache von noch höherer Bedeutung als der Ehrensieg. Denn Freymann, der in der Wettkampfklasse 11 startete, ist geistig behindert. Er leidet an Trisomie 21 (Down-Syndrom). Daher gilt es taktische Änderungen „so langsam und einfach wie möglich zu erklären“, so Ludwig. Bei einer so komplexen Sportart wie Tischtennis mit dem hinzukommenden Zeitdruck in der Satzpause sowie bei den Auszeiten ist das alles andere als einfach. Aus diesem Grund läuft es in den Pausen meistens auf das „Loben, Aufbauen und Spaß haben“ hinaus.

Perfekte Inklusion

Mit Freymann nahmen 62 Para Tischtennisspieler (Rekord) aus zwölf Landesverbänden des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) an der DJM teil. Insgesamt wurden acht neue Einzelmeister und ein Doppel gekürt. „Wir haben hervorragende Bedingungen vorgefunden und eine perfekte Vorbereitung gesehen“, lobte der 1. Vorsitzende der Abteilung Tischtennis des DBS, Thomas Bröxkes. Minutiös hatte der ausrichtende Verein, die Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam e.V., das Turnier vorbereitet. Klettverband klebte beispielsweise auf dem Hallenboden, wodurch die richtige Position der Banden markiert wurde. Selbst an Ballholer für die Rollstuhlfahrer wurde gedacht. Es waren Mitarbeiter aus der eigenen Werkstatt.

„Die Ausrichtung war ein Gemeinschaftsprodukt aller Bereiche der Lebenshilfe. Perfekte Inklusion. Einfach unbeschreiblich“, merkte Lars Wittchen, Koordinator für Breiten- und Leistungssport des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Brandenburg. Und Bröxkes fügte an: „Brandenburg und die Lebenshilfe haben sich für weitere Meisterschaften mehr als nur empfohlen.“ Dirk Michler, 2. Geschäftsführer der Lebenshilfe, freute sich über die vielen „lobenden Worte und strahlenden Gesichter“. Von einer weiteren Meisterschaft zeigte er sich nicht abgeneigt, bat jedoch mit einem Augenzwinkern „um wenigstens eine Woche Pause“. Vielleicht ist Achim Freymann dann nicht der einzige Brandenburger Teilnehmer.