Laufen ist mein Ding, das habe ich schnell gemerkt

Geschrieben von Peter Stein Märkische Allgemeine Zeitung am . Veröffentlicht in Para Leichtathletik


icon leichtathletik laufen schwarz auf weiss 250pxPara Leichtathletik-WM: Der Kleinmachnower Felix Krüsemann startet erstmals bei den Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten in Dubai über 1500 Meter.

Felix Krüsemann während der EM im August 2018 im Berliner Jahn-Sportpark. Am Ende wurde er über 1500 Meter Dritter. © Jens Büttner/dpa Felix Krüsemann während der EM im August 2018 im Berliner Jahn-Sportpark. Am Ende wurde er über 1500 Meter Dritter. © Jens Büttner/dpa

Felix Krüsemann trägt ein rotes Sweatshirt mit dem Bundesadler. Der 18-Jährige läuft für Deutschland, startet bei den Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten vom 7. bis 15. November in Dubai/Vereinigte Arabische Emirate. Dort wird der junge Mann, der nach dem Abitur im Sommer derzeit bei seinem Heimatverein RSV Eintracht in Stahnsdorf ein Jahr Bundesfreiwilligendienst absolviert, über 1500 Meter antreten.

Früher habe ich ja parallel auch Fußball gespielt wie mein älterer Bruder Luca (kickt derzeit beim Landesligisten SV Zehdenick/Anm. d. Red.). Aber dann habe ich schnell gemerkt, dass Laufen einfach mein Ding ist“, erzählt Krüsemann. Wobei, so ganz könne er es nicht lassen. Weil die Leichtathleten eben auch immer mal gerne dem runden Leder nachjagen, habe er sich prompt Ende Mai verletzt. Ein Kapselriss am Zeh setzte ihn wochenlang außer Gefecht. Aber zum Glück hatte er zuvor mit seinen 4:16,12 Minuten die WM-Norm locker unterboten.


Krüsemann leidet an einer Spastik, einer Schädigung des zentralen Nervensystems, verursacht durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt. Die Behinderung mache sich im Zittern der Hände oder Füße bemerkbar. „Wenn ich ein Glas Wasser eingieße, dann ist das besonders zu erkennen – und wenn ich an der Startlinie stehe. Dann kann ich vor Aufregung kaum die Beine still halten, weil der Fuß so zittert. Aber wenn der Startschuss fällt, habe ich keine Probleme mehr beim Laufen“, sagt Krüsemann, der auch mit Einschränkungen im Gleichgewichtsgefühl leben muss.

Beim RSV übt er in einer ganz normalen Trainingsgruppe unter Coach Martin Conrad, einst auch Mittelstreckenläufer der deutschen Spitze. „Da machen wir keine Unterschiede zwischen behinderten und nichtbehinderten Sportlern“, sagt Fabian Meister, Chef der Leichtathletik-Abteilung beim RSV, der auf Krüsemann große Stücke hält. „Er ist noch sehr jung und hat einiges an Steigerungspotenzial.“

Krüsemann, der vor zwei Jahren Dritter bei den Junioren-Weltmeisterschaften und ebenso Dritter bei den Europameisterschaften im Vorjahr in Berlin über 1500 Meter wurde, absolviert acht Trainingseinheiten pro Woche. Mit der deutschen Nationalmannschaft hat er gerade ein Trainingslager in Belek/Türkei hinter sich. „Da konnten wir bei 30 Grad trainieren, hatten optimale Bedingungen. Ich laufe gern bei Wärme“, sagt der Bufdi, der im Rahmen seiner Tätigkeit im Verein den U8-Nachwuchs sowie Leichtathletik-Arbeitsgemeinschaften an drei Grundschulen der Region betreut. „Ich möchte einmal Lehrer für Sport und Geografie werden, da passt das ganz gut“, findet der Kleinmachnower, der aus einem sportlichen Elternhaus kommt.


Denn Vater Lutz ist Fußball-Trainer im Nachwuchs des Teltower FV und Mutter Susanne, die gern bei Volksläufen dabei ist, gar Skilehrerin. Sie stammt ursprünglich aus München. „Ich fahre auch gern Snowboard“, berichtet Krüsemann, der in Dubai auf alle Fälle den Endlauf der besten Zwölf erreichen will. In der Weltrangliste stehe er auf Rang acht. Krüsemann ist übrigens Fan von Hertha BSC, schaut auch leidenschaftlich gern US-Sport, wobei es ihm Basketball und American Football besonders angetan haben. NBA-Profi Russell Westbrook von den Houston Rockets sei sein Lieblingsspieler.

Nach seiner hoffentlich erfolgreichen WM-Premiere bei den Erwachsenen steht für Krüsemann schon das nächste Ziel im Fokus: die Paralympics Ende August/Anfang September 2020 in Tokio. Er gehöre bereits zum „Brandenburger Team Tokio“. Ein Doppelstart über 800 und 1500 Meter komme aber nicht infrage, da die zwei Stadionrunden nicht im Programm der Paralympics für seine Schadensklasse T38 stehen. Um für die Paralympics gewappnet zu sein, will Krüsemann möglichst viele Grand Prix-Wettbewerbe bestreiten, um die internationale Konkurrenz zu testen. National werde er auch weiterhin gegen nichtbehinderte Aktive antreten, strebt zum Beispiel einen Start bei den Deutschen U20-Meisterschaften der Leichtathleten an. Er ist überzeugt davon, „dass ich mich noch weiter verbessern kann“. Außerdem helfe der Sport sehr, die Behinderung zu mindern. „Alles, was meinem Muskelaufbau hilft, ist gut.“ Felix Krüsemann will noch möglichst oft den Bundesadler tragen und für Deutschland starten.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.