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Mit 16 und 61 Jahren: Zwei-EM Titel für das deutsche Team

Geschrieben von DBS Presse am . Veröffentlicht in Para Leichtathletik


icon leichtathletik laufen schwarz auf weiss 250pxPara Leichtathletik-EM: Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje und Speerwerferin Martina Willing holen Gold – Bronze für Marie Brämer-Skowronek im Kugelstoßen

Die Medaillensammlung des kleinen deutschen Teams bei der Para Leichtathletik-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz hat auch an Tag drei Zuwachs bekommen: Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje und Speerwerferin Martina Willing sicherten sich überlegen Gold, Kugelstoßerin Marie Brämer-Skowronek holte mit Bestleistung Bronze.


Martina Willing Foto: Binh Truong / DBSMartina Willing Foto: Binh Truong / DBS

Para Leichtathletik-EM: Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje und Speerwerferin Martina Willing holen Gold – Bronze für Marie Brämer-Skowronek im Kugelstoßen

Die Medaillensammlung des kleinen deutschen Teams bei der Para Leichtathletik-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz hat auch an Tag drei Zuwachs bekommen: Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje und Speerwerferin Martina Willing sicherten sich überlegen Gold, Kugelstoßerin Marie Brämer-Skowronek holte mit Bestleistung Bronze.

Nach Überraschungs-Silber über 100 Meter und Platz vier über 1500 Meter hat Merle Menje ihre starke EM-Bilanz vergoldet: Die 16-Jährige vom Stadt-Turnverein Singen darf sich nach 57,53 Sekunden über 400 Meter Europameisterin nennen. Ihre Kontrahentinnen waren zu Beginn vorangeprescht und Menje auf Bahn vier lag etwas zurück. Doch eingangs der Zielgerade überholte sie alle, packte ihr starkes Finish aus – und hatte am Ende mehr als eine Sekunde Vorsprung. „Es hat sich gut angefühlt, der Start war gar nicht so gelungen, aber hinten raus lief es dann“, sagte Menje, die im Ziel überwältigt war und bei ihrer ersten EM schon die zweite Medaille hat: „Ich habe nicht gemerkt, dass ich schon zwei Rennen hatte, das hat mir eher Routine gegeben, weil ich jetzt weiß, wie es abläuft. Ich bin sehr dankbar über die Erfahrung hier.“
Merle Menje Foto: Bartlomiej Zborowski /IPCMerle Menje Foto: Bartlomiej Zborowski /IPC

Glücklich war auch Martina Willing. „Ich bin sehr froh, dass ich gewinnen konnte und endlich mal wieder eine 20 vor dem Komma hatte“, sagte die 61-Jährige, nachdem ihr erster Wurf exakt bei 20 Metern landete. Diese Weite sollte später auch für den Sieg reichen – knapp fünf Meter vor der Zweitplatzierten. Die Athletin vom BPRSV Cottbus, die von Peter Schreiber trainiert wird, freute sich damit über ihren vierten EM-Titel, nachdem es bei der Heim-Europameisterschaft 2018 in Berlin für Silber gereicht hatte. Je drei Mal war Willing auch schon Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin im Speerwurf – und hofft nun, es nach Tokio zu ihren achten Paralympics zu schaffen. 1,54 Meter fehlen ihr noch zur Norm, bis zum 25. Juni kann sie diese erfüllen. Nach einem Unfall Ende März und verschiedenen gesundheitlichen Problemen, brauchte Willing „ewig“, um wieder in die Spur zu kommen, doch das Ergebnis der EM stimmt sie zuversichtlich: „Es war bisher nicht so, wie ich mir das gewünscht habe und daher freue ich mich, dass ich wieder auf dem Weg dahin bin, wo ich schon längst wieder sein wollte. Ich kämpfe und ich hoffe, dass ich die Norm schaffe.“

Marie Brämer-Skowronek vom SC Magdeburg freute sich über die Bronzemedaille mit persönlicher Bestweite in einem hochkarätigen Wettkampf, in dem sogar der Weltrekord wackelte. In einer stabilen Serie stieß die 30-Jährige nicht nur im fünften Versuch ihre Bestweite von 7,76 Meter, sondern auch einmal zwei beziehungsweise drei Zentimeter kürzer. „Die Bestleistung war auch das Ziel für die EM. Dass die Serie so stabil ist, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte Brämer-Skowronek, die von Theresa Wagner trainiert wird.

Schon die guten Hallenwettkämpfe und die ersten Freiluft-Wettbewerbe hatten angedeutet, dass es weit gehen könnte – das soll nun mit Fokus auf die Paralympics auch noch umgesetzt werden: „An die acht Meter heranzukommen, war immer mein Ziel. Jetzt bin ich dran. Nun gilt es, das zu stabilisieren und dann kann nach oben immer noch mehr gehen.“ Gold ging in Europarekord an die Polin Lucyna Kornobys und Silber an die Britin Vanessa Wallace – beide nur vier beziehungsweise neun Zentimeter kürzer als der Weltrekord von 8,82 Metern. „Was die vorne stoßen, ist motivierend für mich“, sagte Brämer-Skowronek und lachte: „Gucken wir mal, was da noch in Richtung Tokio geht.“

Das deutsche Team hat nun nach drei EM-Tagen schon zehn Medaillen: Drei Mal Gold, drei Mal Silber und vier Mal Bronze. Am Freitagvormittag haben Nicole Nicoleitzik über 100 Meter und Kugelstoßer Mathias Schulze die nächsten Möglichkeiten, am Abend fährt Merle Menje über 800 Meter und Sebastian Dietz kämpft im Kugelstoßen um Edelmetall.


Weitere Informationen und Ergebnisse rund um die Para Leichtathletik-EM gibt es unter www.paralympic.org/bydgoszcz-2021


Das deutsche Team für die EM:

Marcel Böttger (28 / BSG Bad Oeynhausen / Kassel), Alexander Kosenkow - Guide von Marcel Böttger (44 / TV Wattenscheid & BSG Bad Oeynhausen / Tokmak (Ukraine)), Felix Krüsemann (20 / RSV Eintrach Stahnsdorf / Berlin), Markus Rehm (32 / TSV Bayer 04 Leverkusen / Göppingen), Yannis Fischer (19 / StTV Singen / Singen), Niko Kappel (26 / VfB Stuttgart / Schwäbisch-Gmünd), Mathias-Uwe Schulze (37 / BPRSV e.V. / Magdeburg), Mathias Mester (34 / 1. FC Kaiserslautern / Münster), Janne Engeleiter (25 / BPRSV e.V. / Rathenow), Nicole Nicoleitzik (25 / TV Püttlingen / Saarlouis), Lindy Ave (22 / HSG Uni Greifswald / Neubrandenburg), Merle Menje (16 / StTV Singen / Mainz), Marie Brämer-Skowronek (30 / SC Magdeburg / Wolmirstedt), Frances Herrmann (31 / BPRSV e.V. / Cottbus), Martina Willing (61 / BPRSV e.V. / Pasewalk), Sebastian Dietz (36 / LAV Bünde & BSG Bad Oeynhausen / Worms).