Vom Glück, Pech zu haben

Geschrieben von Berthold Schäffner am . Veröffentlicht in Para Radsport


icon radfahren schwarz auf weiss 250pxDenise Schindler auf dem Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall






Denise Schindler © Stefanie Hergenröder
Nach einem langen und anstrengenden Kongresstag über Leadership, Digitalisierung, Transformation, Politik und Klimawandel motivierte Denise Schindler anhand ihrer persönlichen Geschichte die Weltmarktführer in Schwäbisch Hall mit ihrem Vortrag „Vom Glück, Pech zu haben“. Beeindrucken konnte die 36-Jährige sowohl mit ihrer Lebensgeschichte als auch mit ihren Erfolgsgeschichten. Denn die Para Radsportlerin hat mehrere Medaillen gewonnen bei Weltmeisterschaften und den Paralympics – zuletzt Bronze auf der Bahn bei den Spielen in Tokio 2021.

Im Alter von zwei Jahren musste ihr nach einem Straßenbahnunfall der rechte Unterschenkel amputiert werden. Nach einem Jahr voller Bangen und Hoffen bekam sie eine Prothese, mit der sie es schaffte, sich gut im Alltag fortzubewegen. Wegen ihrer Behinderung wurde sie im Kindergarten oft gehänselt, ebenso im Freibad. Schulsport bedeutete für sie Demütigung, denn man wählte sie immer erst als letztes in die Teams hinein.

Ihren Eltern ist sie heute besonders dankbar, denn ihre Liebe, ihr Fördern und Fordern ermutigte sie, immer wieder optimistisch zu sein und neue Wege zu gehen. So ging Schindler Schritt für Schritt ihren Weg der „Resilienz“, das heißt, mit innerer Stärke widerstandsfähig und stressresistent zu leben. Auch in schweren, traurigen Momenten kann ein bisschen Humor und Zuversicht helfen.

Sport und Denise waren lange Zeit keine Freunde. Nach dem Abitur entdeckte sie für sich selbst in einem Fitness-Studio Freude am Spinning-Rad (Motto: „Never stop spinning!“), ein Fahrradtraining in der Gruppe mit fetziger Musik. Weil alles immer besser klappte, kam ein „richtiges“ Mountainbike hinzu, mit dem sie schon bald die Alpen überquerte. Es folgten viele WM-Medaillen und Weltcup-Siege weltweit. Die Höhepunkte waren ihre drei Paralympics-Teilnahmen in London, Rio und Tokio mit zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Denise Schindler zieht einen Vergleich zwischen Wirtschaft und Sport: Was für einen Sportler eine Verletzung oder eine knappe Niederlage bedeutet, kann bei einem Unternehmen beispielsweise ein Umsatzeinbruch sein. Nach jedem Rückschlag muss man den Mut haben, groß zu denken, neue Möglichkeiten suchen, weiterkämpfen, gegebenenfalls auch erstmal kleine Pakete schnüren. „Es kommt auf die Ausdauer an“, betont die 36-Jährige.

Die Paralympionikin entwickelt inzwischen erfolgreich mit Hilfe von Laserscanning Prothesen aus dem 3D-Drucker, wobei der Stumpf vorher digital vermessen werden muss. Ziel ist eine schnellere und kostengünstigere Produktion, die auch dem Breitensport dienen kann. Dieses Verfahren stellte sie 2016 auf der Hannover-Messe dem damaligen US-Präsident Barack Obama und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel vor, die davon sehr beeindruckt waren.

Inklusion, sowohl in der Schule als auch in Unternehmen, ist ihre Herzensangelegenheit, damit vielen ein normales Leben ermöglicht werden kann. „Warum lehrt die Schule nicht die Basis der Gebärdensprache? Kinder gehen damit spielerisch wie mit einer Geheimsprache um.“ Denise Schindler führt auch schonmal Seminare mit Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung durch. Auch den Lehrern müsse man helfen und die Angst nehmen.

Und wie belohnt sie sich selbst nach stundenlangem, hartem Training? Mit Gummibärchen und Zeit mit Freunden, z. B., um gemeinsam zu kochen (am liebsten Spinat mit Rührei und Kartoffeln). Ihr Musikgeschmack: RnB, Queen, Sascha Funke oder Paul Kalkbrenner.

Trotz Entzündungsproblemen am Stumpf und einem kürzlichen Bandscheibenvorfall steht die Powerfrau mit ihren „Babys“ (sieben Räder im Keller) auf „zwei Beinen“ und lebt nach den Mottos „Jetzt erst recht!“  und „Jetzt zeig ich’s allen!“. Derzeit ist sie mit Moderation, Vorträgen und der Produktion von Podcasts gut beschäftigt. Die Sportfördergruppe der Bundeswehr und auch Adidas geben ihr sportliche und wirtschaftliche Unterstützung. Vielleicht gelingt es der „Killerbiene“, so ihr Spitzname, 2024 erneut mit einer Medaille von den Paralympics in Paris heimzukommen.

Es war eine gelungene Veranstaltung von Wirtschaftswoche und Akademie Deutscher Weltmarktführer. Und Denise Schindler sorgte mit ihren Botschaften für prägende Eindrücke beim Gipfeltreffen mit namhaften Multiplikatoren. Gut aber auch für die Anliegen des paralympischen Sports, die hier beim bundesweit größten Treffen von Wirtschafts-Champions mit Denise Schindler hervorragend dargelegt und medienwirksam verbreitet werden konnten.

Ihre Tipps und Grundsätze der Resilienz hat sie vor kurzem in dem Buch „Vom Glück, Pech zu haben“ (Mosaik Verlag) zusammengefasst.

 

 

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