Leopold Reimann überrascht bei den Weltmeisterschaften im Pararudern

Geschrieben von Linz / Rüdersdorf (MOZ) am . Veröffentlicht in Para Rudern


icon rudern schwarz auf weiss 250pxDamit hatte die kleine Rüdersdorfer Equipe nun wirklich nicht gerechnet. Bei den Weltmeisterschaften im Pararudern im österreichischen Linz/Ottensheim konnten die Ruderer gute Platzierungen erreichen und den Namen, Rüdersdorfer Ruderverein Kalkberge, in der Welt bekannter machen. Leopold Reimann gewann das B-Finale im Einer und ist, frei übersetzt, aktuell der siebtbeste Pararuderer in der Schadensklasse PR II der Welt.

Das macht auch seinen langjährigen Trainer und Entdecker Lutz Bühnert sehr stolz. "Die viele Arbeit, die lange Vorbereitung und der ganze technische Aufwand haben sich gelohnt", sagte Bühnert kurz nach der Rückkehr von den Meisterschaften in seinen Heimatort Bruchmühle. Was für Bühnert fast noch wichtiger ist, Reimann habe nun wieder neue Motivation für seinen Sport gewonnen und rede jetzt davon, sich auch für die Paralympics 2020 in Tokio qualifizieren zu wollen. Das Vorhaben scheint nicht mehr so aussichtslos wie vor Monaten noch. Der 22-Jährige wurde durch seinen verkürzten Oberschenkel in den Vorjahren bei den stark sehbehinderten/blinden Ruderern eingestuft. "Man muss sich das so vorstellen", erklärt Bühnert. "Die Jungs sind in dieser Schadensklasse körperlich total fit und Leo hat mit seiner Behinderung da wenig Chancen mitzuhalten. Gerade der Oberschenkel ist im Rudern sehr wichtig." Erst kurz vor Beginn der Weltmeisterschaften wurde seinem Antrag auf den Wechsel in die PR II von der FISA (Fédération Internationale des Sociétés d‘Aviron) also dem internationalen Ruder-Dachverband stattgegeben. "Wir wussten noch vor zwei Wochen nichts Genaues und sind nun froh, dass alles so gekommen ist", sagte Bühnert.

Schwieriger Einstieg

Und auch Leopold Reimann wird die Tage in Österreich für lange Zeit nicht vergessen. "Der Einstieg war schwierig. Ich musste mich natürlich an die Strecke gewöhnen." Er beschreibt, dass man dabei Orientierungspunkte suchen und finden muss. Schließlich gilt es, seine Kräfte für die 2000 Meter lange Strecke genau einzuteilen. "In puncto Kraft müssen wir noch deutlich zulegen", hat Bühnert auch gleich die Schwachstelle seines Schützlings ausgemacht. "Das Techniktraining hat sich gelohnt, denn in dieser Beziehung kann Leo mit den Besten der Welt mithalten. Wir haben viel gearbeitet und auch im Boot selbst einige Dinge verbessert."
In seinem sportlichen Element: der Rüdersdorfer Pararuderer Leopold Reimann © Foto: Lutz BühnertIn seinem sportlichen Element: der Rüdersdorfer Pararuderer Leopold Reimann © Foto: Lutz Bühnert

Für Leopold Reimann beginnt nun eine lange Trainingsphase. Erst im nächsten Jahr wird sich entscheiden, ob Tokio für ihn ein Thema ist. Die Qualifikation wird am 10. Mai auf dem Lago di Varese in Italien stattfinden. Es wird in Gavirate ein Zusammentreffen mit der Nationalmannschaft geben.

Natürlich war am Rande der sportlichen Wettkämpfe auch der

der tödliche Unfall des 33-jährigen querschnittsgelähmten Dimitri Ryschkewitsch ein Thema. Der Sportler aus Weißrussland verunglückte bei den Vorbereitungen zur Ruder-Weltmeisterschaft. Er war mit seinem Einer im Training auf der Donau-Regattastrecke Ottensheim beim Wendepunkt umgekippt. Er konnte sich zwar aus den Sicherungen am Sitz und an den Füßen befreien, doch kurz vor dem Eintreffen der Rettungskräfte ging Ryschkewitsch plötzlich unter. Er konnte von Tauchern nur noch tot geborgen werden. Inzwischen stellte sich heraus, dass das Boot einen Defekt hatte. Eine sogenannte Stabilisationsvorrichtung war offensichtlich gebrochen, hieß es.
Vor seinem Start: Enrique Font © Foto: Lutz BühnertVor seinem Start: Enrique Font © Foto: Lutz Bühnert

Sicherheit nochmal verbessert

"Natürlich wurde intensiv auch über die Sicherheit für die Sportler gesprochen", sagte Bühnert. "An sich haben die Boote einen sehr hohen Sicherheitsstandard", erklärte der gelernte Modellbau-Meister, der ständig an Verbesserungen für den Sport und die Sportler herumtüftelt. Er selbst erkrankte an einem Hirntumor, der dauerhaft sein Gehör und seinen Gleichgewichtssinn schädigte.

Kontakt nach Südamerika

Bühnert hat das Erfolgsmodell Pararudern aus Rüdersdorf, wenn man so will, auch nach Südamerika exportiert und in seinem Sport Entwicklungsarbeit geleistet. Seit einigen Monaten betreut er Enrique Font, der aus Uruguay nach Deutschland kam, um hier zu lernen und sich selbst wieder zu entdecken. Der 40-Jährige ist nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt und betreibt Pararudern seit einiger Zeit intensiv. Und auch für Font war die Weltmeisterschaft ein voller Erfolg. "Er hat in den vergangenen Monaten so viel gelernt. Bei ihm gibt es aber noch Defizite in der Technik. Enrique macht das aber alles sehr gut. Er ist sehr trainingsfleißig und setzt alle Ratschläge sofort um."

Im B-Finale seiner Schadensklasse brach er erst knapp fünf Meter vor der Ziellinie ein und musste den bis dahin überraschenden zweiten Platz noch abgeben. Wichtig ist für ihn, dass die FISA auf ihn aufmerksam wurde und Font nunmehr in eine Art Förderprogramm kommt.

Das habe große Bedeutung für ihn, da er nun auch auf finanzielle Hilfe für die sehr teuren Boote hoffen könne, sagt Lutz Bühnert, der den Kontakt zu Font aufrecht erhalten will.

 

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